Hochtourenwoche Stubai 2010

Hochtourenwoche Stubai im Juli 2010 

Die Gruppe für die Hochtourenwoche im Stubai, war mit 13 Personen ziemlich groß geraten. Neben Sigrun, Michael, Jürgen, Dieter, unserem Jugendleiter Markus, unserem angehenden Fachübungsleiter Theodor und meiner Wenigkeit aus unserer Sektion, waren mit Helmut, Thomas, Bernd, Freddy, Andi, und Burkhard auch Gäste aus Köln, Bonn und Goslar zu uns gestoßen. Die meisten hatten wir bereits auf dem Basiskurs im Juni kennen und schätzen gelernt. So starteten wir pünktlich vom gemeinsamen Treffpunkt in Sölden bei herrlichem Sonnenschein zum langen Aufstieg auf die Hochstubaihütte. Fast 1800 Höhenmeter lagen vor uns auf dem Weg in die Region von Fels und Eis, die als Eingehtour mit dem Gepäck für eine ganze Woche den ein oder anderen schon mächtig forderten. Oben wurden wir vom Hüttenwirt schon an der Tür mit einem Schnapserl begrüßt, der uns wieder ein wenig mit dem müden Körper versöhnte. Während die meisten auf der Sonnenterrasse die phantastische Aussicht genossen, flickte Burkhard mit Akkubohrschrauber und Spaxschrauben die Sohlen seiner Bergschuhe.

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne wieder vom klaren, wolkenlosen Himmel. Nach kurzem Abstieg hatten wir dann endlich Gletscherfirn unter den Füßen. Die Spur zog sich malerisch zur Warenkarscharte hinauf. Von dort aus bestiegen die meisten in leichter Kletterei über den Grat zur Warenkarseitenspitze ihren ersten Dreitausender. In Hochstimmung schauten wir auf die malerisch gelegene Hochstubaihütte hinunter. Die Bremsübungen im Firn machten mächtig Spaß und gaben Sicherheit für die kommenden Tage. Der Weg zur Hildesheimer Hütte führte über den Warenkarferner, wo wir eine ausgedehnte Ausbildungspause einlegten. Die meisten haben seither enormes Vertrauen in einen gut vergrabenen T-Anker.

Der nächste Tag sollte alpinistisch der Höhepunkt der Tour werden. Wir begannen mit einem erweiterten Aufwärmprogramm. Auch ein Bergführer kann schon mal den falschen Abzweig nehmen. Aber mit rot-grün-schwachen Augen sind die Wegmarkierungen manchmal verflixt unsichtbar. Der weitere Weg in der wärmenden Morgensonne entschädigte für die Mühe. Gemächlich stiegen wir in drei Seilschaften über den Pfaffenferner zum Pfaffenjoch und von dort über den Sulzenauferner zum Fuße des Zuckerhütls. Dort gab es dann doch reichlich Gletscherspalten. Um so besser wenn man am Seil hängt, wenn plötzlich die Beine in eine dunkle Tiefe gezogen werden. Burkhard, Bernd und Andi hatten nachher richtig Routine beim Mannschaftszug. Nach kurzer Rast auf dem Pfaffensattel ging es dann über einen eleganten Firngrat und zuletzt durch die Flanke des Gipfelaufbaus im Fels zu Gipfelkreuz. Glücklich standen wir in 3505m Höhe und schauten stolz auf unsere Spur über den Gletscher zurück.

Es folgte dann der steile Gletscheraufstieg zum Wilden Pfaff, der mit Fixseilen versichert wurde. Auch der steile Felsgrat zur Müllerhütte wurde mit Fixseilen versichert, was den Kopf beruhigte, aber bei 13 Teilnehmern auch sehr viel Zeit kostete. So kam es, dass uns kurz vor der Müllerhütte doch noch den Rand einer Gewitterwolke erwischte und für eine feuchte Außenhaut sorgte.

Zufrieden ließen wir es uns auf der schönen Hütte gut gehen.

Am nächsten Morgen lockte das wunderschönes Panorama schon durch das Toilettenfenster.

Je nach persönlicher Vorliebe wurde die Gruppe geteilt. Wer noch heiß auf Fels und Gipfelerlebnis war nahm die Sonnklarspitze in Angriff, wer es gemütlicher wollte nahm den Weg über den Übeltalferner zur Schwarzwandscharte.

Der luftige Anstieg über den Ostgrat der Sonnklarspitze ermöglichte uns Weitblicke in eine unbeschreibliche Gletscherwelt. Vom Gipfel aus ging es dann über das „Hohe Eis“ zur Siegerlandhütte. Die Felspassagen im Abstieg erforderten noch einmal viel Aufmerksamkeit und Trittsicherheit, bis wir weiter unten über Restschneefelder und zuletzt durch Geröll den Steinmandln folgend die Hütte erreichten. Der andere Teil der Gruppe ließ sich von der Hütte aus an der Windachscharte ausmachen und war dann stellenweise gut auf ihrem Weg zu verfolgen. Schließlich war die Gruppe fröhlich und gesund auf der Hüttenterasse wieder vereint, was mit dem ein oder anderen Getränk gefeiert wurde. Ein eindrucksvoller Sonnenuntergang unter aufziehender Schichtbewölkung vergoldete uns den erlebnisreichen Tag. Nach einem Aufbruch in dichtem Nebel war uns auch am letzten Tag wieder die Sonne treu. Der lange Weg durch das Windachtal ging schneller vorbei, als wir erwartet hatten und schließlich saßen wir zufrieden auf der Veranda eines Cafes in Sölden und schauten auf eine intensive Woche voller kleiner Bergabenteuer zurück. Dass es nun zu regnen begann war uns mehr als egal. Burkhards Sohlen haben übrigens durchgehalten. Meine Fersen leider nicht.

Ich danke allen, die mit ihrer lebendigen Begeisterung und Kameradschaft eine unvergessliche Woche ermöglicht haben. Besonderer Dank geht an Theo und Markus. Nicht zuletzt durch Eure hervorragende Unterstützung blicke ich auf eine unvergessliche und weitgehend sorgenfreie Bergwoche zurück.

Euer Klaus Kämmerling