Hochtourenwoche Wallis 2012

Die Hochtourenwoche 2012 führte uns vom 05.-10.07. bei nahezu perfektem Bergwetter ins wunderschöne Saastal. Mit dabei waren Dieter, Michael, Stefan, Christoph, Markus und Klaus. Die Anreise erfolgte bereits am Samstag, was uns die Möglichkeit gab in einem feinen Hotel in Saas Fee mit schönem Wellnessbereich noch eine angenehme Nacht zu verbringen. Am Sonntag ging es dann nach ausgedehntem Frühstück mit der Bahn hinauf bis ca. 100 Hm unterhalb der Hütte. Nach Beziehen der Lager nutzten wir den restlichen Tag zur Ausbildung auf dem Triftgletscher unterhalb der Weißmies. Eine perfekte Spalte bot in Übungstiefe für die Spaltenbergung eine Schneebrücke, was dem zu Rettenden den kühlen Aufenthalt erleichterte.

Wir absolvierten eine Reihe von "Rettungen", bis uns ein schnell aufziehendes Gewitter eilig vertrieb und uns ausgiebig die Möglichkeit bot, die Dichtigkeit unserer Oberbekleidung zu testen.

Der Wetterbericht für den nächsten Tag war zum fürchten: Morgens Regen, mittags Regen und abends auch Regen! Wir planten also einen weiteren Ausbildungstag ein und ließen uns komfortabel um acht Uhr zum Frühstück wecken. Zu unserer Verwunderung schien die Sonne. An der Sonnenterrasse unterhalb der Hütte boten sich vielfältige Möglichkeiten, die alpinen Handgriffe zu wiederholen und zu vertiefen. Gegen Mittag schien die Sonne noch immer. Zu unserer großen Freude lud uns die Hüttenwirtin zu einem ausgedehnten Mittagsmahl ein, da verderbliche Speisen übrig waren, die man sonst hätte wegschmeißen müssen. Das war eine unverhoffte Freude, die die missratene Wetterprognose ein Wenig vergessen machte. Und, wie sollte es auch anders sein, abends schien immer noch die Sonne. So ist das nun Mal mit dem Bergwetter. Überall sonst in der Schweiz hatte es tatsächlich geregnet.

Am nächsten Tag hieß es dann mit einiger Aufregung im Bauch um 4 Uhr wecken und auf zur ersten Tour. Die Wetteranzeichen waren günstig und so standen wir um 4,45 Uhr nach einem guten Frühstück neben den verreiften Tischen der Terrasse unter einem sternklaren Himmel.  In gemächlichem Tempo stiegen wir im Lichte der Stirnlampen über den Moränenkamm Richtung Triftgletscher. Nach einer halben Stunde Fußmarsch überwältigte uns der Anblick der Mischabelgruppe im erwachenden Tageslicht. Der Weg über den Gletscher war  mit einigen steileren Passagen auch schon etwas abenteuerlich. Schließlich führte uns der eindrucksvolle Gipfelgrat hinauf zum höchsten Punkt der Weißmies. Das Bergpanorama war unbeschreiblich. Nicht eine einzige Schönwetterwolke trübte die Sicht.

Der nächste Tag führte uns auf den Gipfel des Lagginhorns. Stefan und Dieter hatten beschlossen einen Tag zu pausieren und den Gipfel des Lagginhorns mit einer Wanderung zum Jägihorn zu tauschen. Den Weg bis zum Gletscher hatte ich bereits am Vortag erkundet. So fanden wir auch im Lichte der Stirnlampen eine günstige Stelle zur Überwindung des Gletscherbaches. Der Weg über den Laggingletscher war unschwer und führte uns zu den Geröllhängen des Westgrates, über den der Normalweg verläuft. Der Berg ist ehrlich gesagt ein ziemlicher Schutthaufen. Jeder Schritt prüfte unser Gleichgewicht und auch die Wegführung war häufig mehrdeutig. Trotzdem kamen wir gut voran und gelangten schließlich an den Gipfelaufschwung, an dem es etwas kraxelig wurde. Trotz des strahlenden Sonnenscheins und der relativen Windstille war es auf dem Gipfel sehr kalt und es hielt uns nicht lange beim unscheinbaren Gipfelkreuz. Nur Markus und Christoph, auf der Tour unsere Rennmmäuse, waren schon etwas länger dort oben und dementsprechend durchgefroren. Der Abstieg verlief ohne Zwischenfälle und so saßen wir am frühen Mittag wieder vereint vor der Hütte in der Sonne, wo wie von Stefan und Dieter mit Wein, Käse und Schinken zu einer zünftigen Jause empfangen wurden. Den Rest des Tages über genossen wir die eindrucksvolle Aussicht und die tolle Atmosphäre.

Der Abend wurde noch einmal aufregend durch ein deutsches Pärchen, welches völlig überfordert erst um 20.00 Uhr mit dem Fernglas unterhalb des Gipfels ausgemacht wurde. (Zum Vergleich: Wir waren morgens gegen 4.50 Uhr zu einer ähnlichen Zeit aufgebrochen und zwischen 9.00 und 10.00 Uhr am Gipfel.) Nachdem die Bergwacht schon mehrfach kontaktiert worden war und einige Hüttengäste drauf und dran eine nächtliche Rettungsexpedition zu starten, kam so gegen 22.00 Uhr ein Anruf von dem Seilschaftsführer, in dem er nur lapidar mitteilte, dass sie etwas länger gebraucht hätten und wir uns keine Sorgen machen sollten. Um sich am nächsten Morgen schmachvolle Fragen zu ersparen, hatten sie sich dann nachts nur schnell in die Hütte geschlichen und waren mit ihrem Material ins Tal verschwunden. Solche Zeitgenossen gibt es also auch.

Für den letzten Tourentag stand mit dem Fletschhorn das alpinistische Highlight der Tourenwoche auf dem Programm. Die Gruppe hatte sich noch mehr augedünnt. So bestand unsere Seilschaft nur noch aus Markus, Christoph und mir. Vor uns lag ein herrlicher, einsamer Gletscheranstieg und ein malerisch überwächteter Gipfelgrat in Firn und Eis und dann schließlich ein Gipfel, der uns ganz allein gehörte.

Es war absolut windstill, so dass wir uns nicht sattsehen konnten an der Welt der wallisischen Eisriesen. Da freuen wir uns doch schon aufs nächste Jahr!

Mit diesen Eindrücken ging eine erlebnisreiche, kameradschaftliche Tourenwoche zu Ende. Dafür danke ich sehr!

Euer Klaus Kämmerling