Hochtourenwoche Wallis 2013

Der erste 4000er!

Wie im letzten Jahr führte die Hochtourenwoche 2013 in die Berge um Saas-Fee. Unsere Seilschaft bestand aus Klaus, Markus, Dirk, Jan, Lu und Lennart. Schon der Anreisetag wird vielen von uns wohl lange in Erinnerung bleiben. Sei es Lennart, der in Milano Centrale weder auf Deutsch noch auf Französisch noch auf Englisch mit den Bahnmitarbeitern kommunizieren konnte, um einen Ersatzzug für den ausgefallenen Eurocity zu bekommen. Oder Lu, der einfach in den Pool des Campingplatzes sprang, ohne seine Füße vorher in der Plastikschüssel zu waschen und dafür einen Rüffel vom Sohn des Campingplatzbesitzers bekam oder auch einfach der gemütliche Abend vor dem Zelt mit Blick auf Täschhorn (4491m), Dom (4545m), Lenzspitze (4294m) und Gitarrenmusik von Klaus.

Am nächsten Tag hieß es dann Rucksäcke packen und zur Britanniahütte (3030m) aufsteigen. Anfangs noch auf Wanderwegen führte uns der Weg schließlich immer steiler und felsiger und später über Schneefelder hinauf zur Hütte. Der Wetterbericht für die Nacht bzw. den Morgen sagte den Durchzug einer Kaltfront voraus. Trotzdem brachen wir um 4:00 auf zum Allalin. Das Wetter sah soweit stabil aus. Eingepackt in Regenkleidung ging es zunächst einige Felsstufen bergab auf den Hohlaubgletscher, wo es zuerst hieß "anseilen" und kurz darauf auch "Steigeisen an". Im dichten Nebel, Regen stiegen wir langsam aber sicher auf in Richtung Hohlaubgrat, bis es auf einmal auf 3500m kurzeitig hell wurde. Gewitter! Biwacksäcke raus, Eispickel weg und auf die Rucksäcke setzen. Nach einiger Zeit, in der es trotz Biwacksäcken nicht wärmer wurde, entschlossen wir uns, zur Hütte zurück zu gehen. Begleitet von immer wieder zuckenden Blitzen erreichten wir gegen 9:00 wieder die Britanniahütte. Dort trockneten wir unsere auf Dichtigkeit geprüften Textilien und schlüpften für ein Schläfchen unter die warmen Decken des Lagers. Während das Gewitter draußen an Fahrt aufnahm war es auf der Matratze um so gemütlicher! Bereits am frühen Nachmittag war die Kaltfront durchgezogen. Sturm und Regen wurden weniger.

Das Wetter für den nächsten Tag sollte gut werden. So war es nicht verwunderlich, dass sich auch die Hütte im Laufe des Tages füllte. Am Dienstag brachen wir wieder gegen 4:00 auf. Dieses Mal in Richtung Rimpfischhorn. Auch der Weg führte uns zunächst auf den Hohlaubgrat, wo wir jedoch den Abzweig verpassten, und so beschlossen wir,  weiter auf das Allalinhorn zu gehen. Nach einem wundervollen Aufstieg über die Firnschneide des Hohlaubgrates und einer Seillänge spannender Kletterrei im vereisten Fels, standen wir schließlich bei Sonnenschein und kaltem Wind hoch über den Wolken auf dem Gipfel des Allalinhorn (4027m). Was für eine euphorische Stimmung! Für Jan, Lennart und Dirk war es der erste 4000er. Nach dem Abstieg entgegen der "Ameisenspur", die sich vor der Station Mittelallalin zum Allalinhorn zog, brachen wir nach einer Pause im windgeschützten Feejoch mit Aussicht auf Matterhorn und Mont Blanc auf in Richtung Alphubel. Während Lennart nach dem ersten Grat für sich entschied, dass zwei Gipfel dieser Größe an einem Tag zuviel sind, gingen die anderen zunächst weiter, um dann nach einiger Zeit ebenfalls entkräftet einsehen zu müssen, dass der Alphubel an dem Tag zuviel ist. Der Rückweg dauerte schließlich unerwartet lange so, dass die Gruppe erst gegen 18:00 vor der Station Mittel-Allalin wo Lennart den Nachmittag mit Kaffee verbracht hatte wieder vereint war. Der folgende Abstieg durch das Skigebiet erschien dabei zunächst seltsam bis Klaus auf einmal eine Tür im Fels öffnete. Am Felskinn führt ein Tunnel durch den Berg. Nach 15 Stunden auf den Beinen erreichten wir schließlich um 20:00 die Britanniahütte.

Zufrieden stiegen wir am Mittwoch wieder nach Saas-Grund ab, um uns dort auf dem Campingplatz in der Sonne von der langen Tour zu erholen. Am nächsten Tag führte unser Weg über den klettersteigartigen Anstieg zur Mischabelhütte (3329m). Das Highlight der Tour folgte am Freitag mit der Besteigung von Ullrichshorn (3925m), Nadelhorn (4327m) und Stecknadelhorn (4241m). Die Route führte unter einem prächtigen Sternenhimmel im Schein der Stirnlampen zunächst über den Felsgrat auf dem auch die Hütte liegt, bis wir kurz vor Sonnenaufgang auf den Hohbalmgletscher absteigen mussten. Kurz darauf erstrahlte die beeindruckende NO-Wand der Lenzspitze im Morgenrot. Im erwachenden Tag querten wir das Gletscherbecken und stiegen immer steiler aber wenig schwierig auf das Ullrichshorn dessen Gipfel wir gegen 7.00 Uhr erreichten. Dort folgte bei herrlicher Fernsicht ein zweites Frühstück. Über den eisigen NO-Grat und eine leichte Kletterstelle unterhalb des Gipfelaufbaus führte uns der Weg schließlich wunderschön auf das Nadelhorn mit seinem winzigen Gipfel. Kurz unterhalb des Gipfels führt der Nadelgrat weiter zum Stecknadelhorn.

Nach einer steilen, sehr schmalen Querung konnten wir schließlich über eine herrliche Firnschneide noch das Stecknadelhorn besteigen. (Das Bild entstand auf dem Gipfel des Stecknadelhorns, im Hintergrund strahlt das Weißhorn) Mit Blick auf die mächtigen Gletscherhänge auf der Nordseite des Doms wurde uns langsam klar, dass sich die Hochtourenwoche dem Ende neigt. Zurück auf der Mischabelhütte beschlossen wir, nicht noch eine Nacht auf der Hütte zu bleiben, sondern abzusteigen und schon mal in Richtung Heimat zu fahren. Auf einem kleinen Campingplatz irgendwo zwischen Saas-Fee und Lindau ließen wir den Abend und die Hochtourenwoche bei Schweizer Raclette ausklingen, bis sich die Gruppe am nächsten Tag nach und nach auflöste. Lu fuhr nach Luzern, Klaus ins Stubaital, Markus nach Göttingen und Jan, Dirk und Lennart zurück nach Minden. Was bleibt sind die Erinnerungen an eine tolle Hochtourenwoche und die Vorfreude auf das nächste Jahr. In diesem Sinne vielen Dank an die ganze Gruppe und besonders an Klaus unseren Tourenführer.

Euer Lennart