Hochtourenwoche Wallis 2014

Auch in diesem Jahr führte die Hochtourenwoche wieder ins Wallis. Neben Klaus waren diesmal als „Alte Hasen“ Dirk und Lennart, gemeinsam mit den "Neulingen" Mario, Beate und Thomas dabei.

Mit dem Vito und Wohnwagen von Beate u. Thomas begann die Woche am 12. Juli morgens um 05.00 Uhr auf Kanzlersweide. In Landau haben wir unseren Bergführer Klaus aufgelesen, der vorher noch an einer Fortbildung des DAV in der Pfalz teilgenommen hatte.

Die Wetteraussichten für die Woche waren gemischt, doch eine Besserung war angekündigt. So konnten wir am Samstagabend in Randa Zelt und Wohnwagen im Trockenen aufbauen. Die Küche des Wohnwagens war vollgestopft mit Lebensmitteln, für leckeres Abendessen und gutes Frühstück hatten wir alles dabei.

An dieser Stelle sei Beate und Thomas ganz herzlich für die tolle Vorbereitung und die Teilhabe an ihrer 5 Sterne Reise- und Campingkultur gedankt! (Anm. d. Redaktion)

Am Morgen des nächsten Tages, es war der Tag des großen Endspiels, warteten wir noch bis die wärmende Sonne ins Tal schien und starteten den schönen Aufstieg über die Täschalm (2214m) zur Täschhütte (2701m). Die Hütte liegt inmitten der Viertausender der Mischabelgruppe und ist 2007/2008 sehr schick renoviert worden.

Wir begannen noch vor dem Abendessen mit einer Übung zur Spaltenbergung direkt vor der Hütte. Zu unser aller Überraschung waren wir auf unserer Sitzplatzkarte zum DAV München mutiert!

Leider hat uns der grimmige Hüttenwirt das WM-Endspiel vorenthalten und so kam erst um fünf Uhr morgens in einem “Hauch“ von Handynetz die erlösende SMS: Deutschland ist Weltmeister!

Ein guter Start für den Weg zum Alphubeljoch (3773m), zur die Akklimatisations- und Ausgildungstour. Das Wecken ist auf der Täschhütte bereits um 2.30 Uhr. Trotzdem füllte sich die Gaststube nach und nach und es entstand die besondere Atmosphäre aus gedämpftem Gemurmel und Essgeräuschen, wie sie zu dieser Tageszeit für Hütten typisch ist. Um 3.15 Uhr ging es dann durch die klare kalte Morgenluft im Schein der Stirnlampe bergan. Nach einer Stunde begann es leicht zu schneien. Es war sehr winterlich dieses Jahr. Bereits auf dem Weg zum Alphubelgletscher führte uns der Weg über ausgedehnte Schneefelder, so dass wir bald anseilen und die Steigeisen anlegen mussten. Irgendwann tauchte aus den Wolken hoch über uns vor dem stahlblauen Morgenhimmel der eisige Gipfelgrat des Alphubel auf. Ein unbeschreiblicher Anblick.

Obwohl der Schnee tief war, trug die Spur gut. Die letzten 300 Höhenmeter stapften wir durch das gleißende Morgenlicht dem Alphubeljoch entgegen, unserem Ziel für heute. Die Luft war da oben schon merklich dünn und das Herz pochte wie wild, wenn beim Bau eines T-Ankers der Pickel eingraben werden musste.

Die Anstrengungen in der Höhe hatten Mario und Beate am nächsten Tag eine Pause verordnet. Wir anderen starteten am Dienstag den Aufstieg zun Alphubel (4206m). An diesem Morgen wurde das Licht der Stirnlampen nach Sonnenaufgang um 5.30 Uhr von strahlendem Sommerwetter abgelöst. Als Viererseilschaft waren wir erwartungsgemäß deutlich schneller unterwegs und erreichten zügig das Alphubeljoch. Weiter ging es auf der wunderschönen Firnschneide des Südostgrates, bei den diesjährigen winterlichen Verhältnissen komplett im Schnee. An der Eisnase fanden wir erfreulicher Weise kein Blankeis vor, so dass die Flanke zwar steil war, aber gut zu ersteigen. Kurz darauf lag uns bei wolkenlosem Himmel die komplette Bergwelt der Alpen zu Füßen. Ein unbeschreiblicher Moment! Besonders eindrucksvoll war beim Blick nach Norden, wieviel höher dann doch noch die Gipfeneben Klausl von Täschhorn und Dom sind und unmittelbar war die Aufregung im Bauch spürbar beim Gedanken an unser nächstes Gipfelziel. So war die erste Gipfletour der Hochtourenwoche 2014 ein eindrucksvolles Erlebnis, vor allem für Thomas, denn es war sein erster Viertausender.

Beate und Mario fuhren, nach dem Abstieg ins Tal, mit dem Vito den Giplelstürmern entgegen, um sie auf der Täschalp abzuholen. Siebenhundert Höhenmeter weniger Abstieg, eine große Erleichterung für alle, die wir dankbar annahmen.

Es folgte ein sonniger Nachmittag und ein urgemütlicher, lauer Sommerabend mit herrlichem Grillmenü und dem einen oder anderen Gitarrenliedchen und so sehr wir uns auch mühten, es gab nichts, was es in Beate und Thomas Wohnwagen nicht gab!

Am Mittwochmorgen starteten Klaus, Beate, Thomas und Dirk zur Domhütte (2940m). Wir hatten ein wunderschönen, abwechslungsreichen Weg vor uns, der zunächst durch duftenden Bergwald führt und im oberen Teil eher einem Klettersteig ähnelt.

Die Domhütte ist ein zentraler Ausgangspunkt für sieben Viertausendertouren und bietet eine traumhafte Bergkulisse für Bergsteiger und Wanderer. Noch schöner und gemütlicher als die Täschhütte war sie unsere Herberge für die Dombesteigung am nächsten Tag. Zur Überraschung für Klaus traf er auf der Domhütte Jemil Butt, einen ehemaligen Schüler, wieder. Jemil, mittlerweile Wissenschaftler der Universität in Zürich, arbeitete dort an einer radargestützen Scantechnik für Veränderungen am gegenüberliegenden Bisgletscher, um mit diesen Daten einen eventuellen Gletscherabbruch vorhersagen zu können. Ein spannendes Wiedersehen!

Die Besteigung des Dom (4545m) sollte die Krönung der Hochtourenwoche werden. Wecken am Donnerstag wieder um 2.30 Uhr. Die Wettervorhersage war ausgezeichnet. Klaus führte uns routiniert bis zum Einstig in die Kletterpassage an den Festigrat. Für Beate und Thomas die erste Kletterei mit Steigeisen und Sicherung. Doch mit Klaus und Dirk an ihrer Seite natürlich kein Problem. Um 8.00 Uhr rasteten wir in ca. 3850m Höhe auf einem flachen Teil des Hobärggletschers, um uns für die letzten 700 Höhenmeter bis zum Gipfel zu stärken.

Doch leider schlug bei Beate kurz darauf wieder die Höhenluft zu und machte die Beine bleischwer. Der Gipfel war für heute unerreichbar. Begleitet von Beates lauten Flüchen beendete Klaus die Tour auf dem Lenzjoch (4121m) (auch ein wunderschöner Platz!) und das herrliche Alpenpanorama mit Aussicht auf die Gipfel der Hochtourenwochen 2012 und 2013 entschädigten uns alle.

Aufregung gab es dann aber noch auf dem Rückweg. Die 70 m Kletterpassage hatten wir uns sicher abgeseilt und schon einen Großteil des Weges über den Festigletscher zurückgelegt als Klaus plötzlich in eine Spalte einbrach. Schnell reagierte die Seilschaft und im vereinten Manschaftszug war Klaus schon einen Wimpernschlag später wieder sicher auf dem Schneefeld.

Auch bei besten Bedingungen sind die alpinen Gefahren eben immer präsent und uns allen war spätestens jetzt klar, wozu wir die ganze Ausbildung gemacht hatten und dass wirklich niemand solche Touren alleine gehen sollte!

Abgesehen vom Gipfel selbst war es auch so eine tolle Hochtour der es an nichts fehlte, der Weg ist eben das Ziel!

Wieder bestes Wetter begleitete Dirk und Klaus am Freitag beim erneuten Aufstieg zum Dom.

Da wir den Weg vom Vortag bestens kannten, überholten wir alle anderen Seilschaften, die sich allesamt an einer älteren brüchigen Kletterpassage abmühten. Es empfiehlt sich eben doch den Hüttenwirt vor einer Tour zu befragen!

Wir wählten diesmal für den weiteren Weg den direkten Aufstieg über den Festigrat. Voller Tatendrang und ohne zu hetzen nahmen wir unsere „Himmelsleiter“ unter die Eisen und erreichten den Gipfel überglücklich. Mächtige Eislandschaften und traumhafte Weit- und Tiefblicke begleiteten uns entlang des Grates. Der Gipfel gehörte uns ganz alleine!

Thomas und Beate stiegen derweil gemütlich ins Tal ab und bereits um 15.00 Uhr konnten sie Klaus und Dirk an der Kirche in Randa abholen. Mario war aus beruflichen Gründen leider kurzfristig früher abgereist, so dass wir den letzten Abend dann noch zu fünft genossen. Selbstverständlich mussten feierlich zwei Viertausendertaufen durchgeführt werden.

Diese Woche mit vielen intensiven Bergerlebnissen, phänomenaler Campingatmosphäre und einer tollen Gemeinschaft machte uns allen Lust auf „Mehr“ und mit Klaus wird es bestimmt noch viele tolle Hochtouren und Bergerlebnisse geben!

Vielen Dank!

Beate und Klaus