Tourenbericht Hochtourenwoche Wallis 2016

Nachdem wir, dass sind in diesem Jahr Beate, Thomas, Peter, Jürgen, Jannik, Markus und Klaus, in Fahrgemeinschaften angereist waren, bezogen wir voller Tatendrang und Vorfreude unsere Zimmer in der Pension Heino. Am nächsten Morgen wartete ein strahlend schöner Tag auf uns. Nach einem opulenten Frühstücksbuffet waren unsere Energiespeicher restlos angefüllt! Auf dem Parkplatz an der Talstation der Bergbahn Hohsaas wurde zum letzten Mal die Ausrüstung kontrolliert und festgezurrt.
Kurz darauf beförderte uns die Gondel mit der Gästekarte umsonst und komfortabel bis eine halbe Stunde unterhalb der Weißmieshütte. Die Hütte war daraufhin schnell erreicht und die Lager bezogen. Am Nachmittag stand dann Akklimatisation und Ausbildung auf dem Programm. Auf dem Triftgletscher oberhalb der Station Hochsaas war schnell eine passende Spaltenzone gefunden, in der dann mit wechselnden Rollen Spaltenbergung trainiert wurde. Stolz breitete sich aus, dass die gelernten Handgriffe auch unter Realbedingungen tatsächlich funktionieren, aber es wurde auch klar, wie komplex und anstrengend so eine Rettung in über 3000 Metern werden kann.
Die Wetterprognose für Dienstag war bescheiden. Schnell war deshalb als Tagesziel der höchstgelegene Klettersteig der Alpen am Jägihorn ausgemacht. Passend zu Beginn der Saison war die unglaubliche Hängebrücke repariert worden und wartete nun auf unseren Tatendrang.
Der Einstieg war schnell erreicht. Peter entschied sich hier dafür uns vom Normalweg aus zuzuschauen. Für uns anderen ging es schnell herrlich steil hinauf in teilweise wunderbar ausgesetzter Kletterei, die alle trotz des einsetzenden Regens mit großer Freude und Sicherheit bewältigten.
Die Hängebrücke war dann tatsächlich ein besonderes Erlebnis, was sich in den Gesichtern deutlich wieder spiegelte. Nach der Brücke folgte mit einer steilen Platte und einem sehr ausgesetzten Steilabschnitt in einem nahezu senkrechten Wandteil die Schlüsselstelle des Steiges, von der alle wirklich sehr beeindruckt waren. Der restliche Weg zum Gipfel über den Grat war danach fast schon Routine. Mit zufriedenem Grinsen verließen wir den Gipfel, der nach diesem tollen Weg eigentlich keine Bedeutung hatte.
Für Mittwoch stand die Besteigung des Lagginhorns auf dem Programm. Deutlich vor 5 Uhr stiegen wir im Lichtkegel der Stirnlampen langsam durch die frische Morgenluft unserem ersten Gipfel entgegen. Ein tolles Gefühl von Vitalität breitete sich aus, wie immer wenn man sein Tempo gefunden hat und merkt wie der eigene Körper funktioniert. Der Weg führte über die östliche Moräne des Lagginhorngletschers. Bei 3100m zogen wir im Dämmerlicht unsere Steigeisen an und betraten den gut tragenden Gletscherfirn. Majestätisch schälten sich im Süden die Gipfel der Mischabelgruppe und dahinter die Monte Rosa aus dem Morgendunst. Immer wieder unbeschreiblich ist dieser Moment, wenn die Sonne diese weißen Bergriesen über den Talwolken in ihren Morgenfarben erstrahlen lässt und die Freude und Dankbarkeit groß, dass man für den Moment dazugehören darf!
In weitem Bogen querten wir den Lagginhorngletscher und erreichten zuletzt über eine Blockflanke bei 3500m den leichten Zustieg zum Westgrat, über den der Normalweg führt. Weiter ging es auf dem breiten Blockgrat in schöner Kletterei (wenige Stellen II) aufwärts. Für Beate und Thomas war bei ca. 3700m die Grenze erreicht und sie warteten auf die Gipfelgruppe an einem komfortablen Rastplatz mit Traumaussicht eingekuschelt in einen wärmenden Biwaksack. Im oberen Bereich lag viel Schnee in der Route, was bei guter Spur aber kein Problem darstellte. Gegen 10.00 Uhr erreichten die vereinigten „Luftpumpen“ (grins) bei strahlendem Sonnenschein und herrlicher Fernsicht den Gipfel. Der Aufstieg hatte dem einen oder anderen doch einiges abverlangt und dementsprechend groß war die Freude es geschafft zu haben! Im Abstieg war dann auf den steilen Schneefeldern volle Konzentration gefordert und entsprechend langsam gestaltete sich unser Fortkommen. Aber Zeit hatten wir auch: Das Wetter war prächtig, die Prognose gut und wir waren sehr gut in der Zeit. Im Abstieg war die Kletterei über die mächtigen Felsblöcke nicht unproblematisch und erforderte weiterhin alle Aufmerksamkeit. Zurück auf dem Gletscher kamen wir dann der Schwerkraft folgend schneller vorwärts und erreichten gegen 13.00 Uhr müde und zufrieden die einladende Hüttenterrasse. Von dort hatten wir die gesamte Aufstiegsroute im Blick und konnten noch lange dankbar schauen und staunen, dass wir vor wenigen Stunden noch da oben gewesen waren.
In der Nacht und am folgenden Morgen sollte eine Kaltfront durchziehen und einen Wettersturz bringen. Kein Anfängerwetter. Schnell war klar, dass für eine Besteigung des Fletschhornes nur Markus und Klaus in Frage kamen. Alle anderen freuten sich über einen Pausentag.
Donnerstag Morgen ging dann der Wecker für Markus und Klaus um 3.45 Uhr. Trotz des Neuschnees war der Weg in Richtung der Moräne des Tälligletschers schnell gefunden. Unwirtlich schälte sich beim Betreten des Gletschers eine dunkle Einöde aus den tiefhängenden Wolken, die uns bald wieder in sich aufnahmen. Die Wegfindung gestaltete sich bei dieser Sicht als herausfordernd und wir kehrten einmal ein ganzes Stück um, um uns des richtigen Weges zu versichern.
Die Schneeschulter zum Grüebugletscher erstiegen wir über eine steile Schaumrolle, die der Wind aus dem Schnee aufgetürmt hatte, wobei wir uns den Weg unnötig schwer machten, aber das war bei der schlechten Sicht nicht erkennbar und Spaß hat‘s gemacht! Auch der weitere Weg zwischen den Spalten des steiler werdenden Grüebugletschers war bei der Sicht von häufig weniger als 20 Metern eine Herausforderung. Eine nachfolgende Seilschaft bedankte sich dementsprechend für das Spuren.
Oben angekommen erwartete zwei sehr glückliche Bergsteiger ein reifgepanzertes Gipfelkreuz im Nebel und der eisige Wind machte eine zweite Schicht Kleidung notwendig.
 
Das ist Hochtourengehen! Im Abstieg bewegten wir uns langsam nach unten aus dem Wolkenzwielicht heraus und an der Schneeschulter angekommen machte das Wetter endgültig auf. Der Weitere Abstieg bei herrlicher Sonne offenbarte weißgefrorene Gipfelfelsen, im Sommer ein ganz besonderer Anblick. Passend zum Mittagessen erreichten wir sehr glücklich und zufrieden die Hütte. Ein sehr gutes Team! Es ist doch immer wieder erstaunlich wie sehr man sich in den Bergen auf Essen und einen Platz im Lager freut!
Der Freitag sollte die Bergwoche mit der Besteigung der Weißmies krönen. Bis auf Beate waren alle erholt und voller gespannter Erwartung. Zügig erreichten wir die Bergstation Hohsaas wo wir eine große Gruppe italienischer Bergsteiger hinter uns ließen. Das Anseilen am Rand des Triftgletschers ging nun schon routiniert und schnell hatten wir in der guten Spur unser Tempo gefunden. Es war kalt und der Firn trug gut. Bevor der Normalweg sich nach rechts durch eine Spaltenzone wendet steilt sich der Gletscher sehr auf.
Die Ersteigung dieses Steilaufschwunges war für zwei Bergsteigerinnen einer Münchener Seilschaft das Signal zur Umkehr. Auch Thomas war hier grenzwertig gefordert. Gerne kehrte er mit dieser Seilschaft um und zwei Mitglieder dieser Seilschaft wechselten zu uns ans Seil. Es folgte eine steile Querpassage über einer großen Spalte und ein anschließender Steilaufschwung im tiefen Firn. Für unsere Anfänger eine tolle Herausforderung, die alle hervorragend meisterten. Es folgte ein wunderschöner steiler Gletscheranstieg bei strahlendem Wetter bis zum Gipfelgrat.
Dort erwartete uns Starkwind, der uns die Schneekristalle wie Schmirgelpapier gegen die Wangen blies. Gehen und atmen und steigen und dann der Gipfel! Die Welt liegt uns zu Füßen. Für die Tiefe der Empfindungen fehlen mir ein weiteres Mal die Worte! Der Abstieg in der mittlerweile tiefen Spur gestaltete sich unschwieriger als zunächst gedacht. So kamen wir schnell voran und hatten am späten Mittag unseren Sattelplatz oberhalb der Bergstation Hohsaas wieder erreicht. Von hier ging es ohne Eile über die Schneehänge zurück zur Hütte. Ein krönender Abschluss eine erlebnisreichen Bergwoche die ungeheuer viel Abwechslung bereithielt! Ich danke für eine tolle Gemeinschaft ehrlicher Bergsteiger! Ich danke Beate für ihren tollen Talservice und allen für ihre Freude und Begeisterung! Der Weg war das Ziel und es hat sich gelohnt!
Es grüßt Euer Klaus